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Leipziger Strombörse EEX – der Stromhandel für PV-Investoren

Leipziger Strombörse (EEX) – der Stromhandel verstehen

Rechtsstand: 10. Mai 2026

Die Leipziger Strombörse (EEX) ist einer der größten europäischen Handelsplätze für Strom und ein zentraler Referenzmarkt für die Erlöse jeder PV-Investition. Wer in Photovoltaik investiert oder einen...

Die Leipziger Strombörse (EEX) ist einer der größten europäischen Handelsplätze für Strom und ein zentraler Referenzmarkt für die Erlöse jeder PV-Investition. Wer in Photovoltaik investiert oder einen Solarpark betreibt, bekommt seine Erlöse direkt oder indirekt aus den Spot- und Day-Ahead-Märkten der EEX: auch wenn er nie selbst dort handelt.

Dieser Leitfaden erklärt, wie der Stromhandel an der EEX funktioniert, was den Marktwert Solar bestimmt und warum die EEX-Mechanik für Investorenrenditen direkt entscheidend ist.

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Was ist die EEX?

Die European Energy Exchange (EEX) mit Sitz in Leipzig zählt zu den größten Energiebörsen Europas. Gehandelt werden:

  • Strom (Spot- und Terminmarkt)
  • Erdgas, Kohle, CO2-Zertifikate
  • Garantie- und Herkunftsnachweise (Grünstrom-Zertifikate)

Für PV-Investoren ist speziell der Strommarkt relevant:

Markt Was wird gehandelt
Day-Ahead-Markt (EPEX Spot) Strom für den nächsten Tag – Preis wird täglich um 12:00 fixiert
Intraday-Markt Kurzfristige Korrekturen am gleichen Tag
Terminmarkt Strom für künftige Monate / Quartale / Jahre
Regelenergie-Markt Sekunden- bis Minutenbereich (für BESS-Investments)

Day-Ahead-Markt: der wichtigste Markt

Der Day-Ahead-Markt ist der wichtigste Preisbildungsmechanismus. Hier wird täglich um 12:00 der Strompreis für jede einzelne Stunde des nächsten Tages per Auktion festgelegt.

Funktionsweise:

  • Bis 12:00: Verkäufer (PV-Erzeuger, Kraftwerke) und Käufer (Direktvermarkter, Versorger) reichen Gebote ein
  • 12:00: Auktion läuft: die EEX matched Angebote und Nachfrage
  • ab 12:40: Marktpreise je Lieferzeitscheibe sind veröffentlicht (seit September 2025: 15-Minuten-Produkte)
  • Nächster Tag: Strom wird zu diesen Preisen geliefert

Typisches Preisniveau (Orientierungswerte; aktuelle Zahlen siehe EPEX SPOT / SMARD):

  • Tagesdurchschnittspreis: 7–10 ct/kWh
  • Nachts: 4–7 ct/kWh
  • Mittagsspitze (sonnenreiche Tage): -2 bis +5 ct/kWh (oft negativ wegen PV-Überschuss)
  • Abendspitze: 12–18 ct/kWh

Was bestimmt den Strompreis?

Der Spot-Strompreis wird durch Merit-Order bestimmt: die günstigsten Kraftwerke werden zuerst eingesetzt:

  • Erneuerbare (PV, Wind): quasi 0 ct/kWh Grenzkosten
  • Atomkraftwerke (v. a. Frankreich): sehr niedrige Grenzkosten
  • Wasserkraft, Müllverbrennung: niedrige Grenzkosten
  • Steinkohle: mittlere Grenzkosten (abhängig von Brennstoff- und CO₂-Preis)
  • Erdgas (GuD, Heizwerke): höhere Grenzkosten (stark abhängig vom Gaspreis)
  • Spitzenlast-Gaskraftwerke: höchste Grenzkosten

Der Strompreis wird vom letzten benötigten Kraftwerk (Grenzkraftwerk) bestimmt. In sonnenreichen Mittagsstunden ist das oft Erneuerbare → niedriger Preis. In Winter-Abendstunden Erdgas → hoher Preis.

Marktwert Solar: die Investorenkennzahl

Für PV-Investoren ist der Marktwert Solar entscheidend: der durchschnittliche Strompreis, den eine PV-Anlage in einem Monat erzielt. Da PV-Anlagen vor allem mittags Strom produzieren (wenn der Marktpreis niedrig ist), liegt der Marktwert Solar strukturell unter dem Tagesdurchschnitt.

Marktwert Solar 2024–2026 (Bundesnetzagentur-Veröffentlichungen):

Jahr Mittelwert (ct/kWh) Spotmarktpreis Mittel (ct/kWh) Spread
2024 4,8 7,2 -2,4
2025 5,5 8,8 -3,3
2026 (geschätzt) 6,0 9,5 -3,5

Der Marktwert Solar liegt typisch 2–4 ct/kWh unter dem allgemeinen Spot-Strompreis: wegen der „Mittags-Häufung“ des PV-Stroms.

Konsequenz für Investoren: Wer den Marktwert Solar ignoriert und mit dem Spot-Strompreis kalkuliert, überschätzt seine Erlöse deutlich.

Monatsmarktwert: die Vergütungs-Bezugsgröße

Die Monatsmarktwerte (MMW) werden von den vier Übertragungsnetzbetreibern (50Hertz, Amprion, TenneT, TransnetBW) monatlich auf netztransparenz.de veröffentlicht und sind die Bezugsgröße für die EEG-Marktprämie:

EEG-Marktprämie = anzulegender Wert − Monatsmarktwert

Beispiel: Eine 1-MWp-Freiflächenanlage mit anzulegendem Wert 6,0 ct/kWh, Monatsmarktwert Mai 2026 = 5,2 ct/kWh:

  • Vermarktungserlös am Spotmarkt: 5,2 ct/kWh
  • Plus Marktprämie BNetzA: 0,8 ct/kWh
  • Gesamt-Erlös: 6,0 ct/kWh (= anzulegender Wert)

→ Das Marktprämienmodell garantiert dem Anlagenbetreiber mindestens den anzulegenden Wert, unabhängig von Spotmarktschwankungen. Detail im Artikel Solarstrom verkaufen.

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Direktvermarktung: wie der Strom an die EEX kommt

Anlagen über 100 kWp müssen in die Direktvermarktung: d. h. ein lizenzierter Direktvermarkter verkauft den Strom an der EEX in Ihrem Auftrag.

Direktvermarkter 2026:

  • Trianel (Stadtwerke-Kooperation aus Aachen)
  • Quadra Energy (TotalEnergies-Tochter; nach Branchenangaben einer der größten Direktvermarkter in Deutschland, Stand 2026)
  • Statkraft (norwegischer Energiekonzern, sehr aktiv im DE-Markt)
  • Next Kraftwerke (spezialisiert auf Erneuerbare)
  • Energy2market (e2m) (Mittelständler)
  • enercity (Stadtwerk Hannover)

Vermarktungsentgelt: typisch 0,3–0,8 ct/kWh: abhängig von Anlagengröße, Vermarktungsstrategie und Bonus-/Malus-Regelung.

Trend 1: Negative Strompreise nehmen zu

In sonnen- und windreichen Stunden kann der Strompreis negativ werden: der Strom „kostet“ den Verkäufer Geld. Mit dem weiteren PV-Ausbau ist tendenziell mit häufigeren negativen Preisstunden zu rechnen (aktuelle Zahlen siehe SMARD).

Konsequenz: Bei negativen Strompreisen für ≥ 4 Stunden gilt seit 2024 die Gebotspflicht für Direktvermarkter: keine EEG-Marktprämie für diese Stunden.

Trend 2: PPA verschiebt sich aus der EEX

Großindustrie und Rechenzentren schließen zunehmend PPAs außerhalb der EEX: bilateral mit Solarpark-Betreibern. Detail im Artikel Power Purchase Agreement (PPA).

Trend 3: Day-Ahead vs. Intraday

Der Intraday-Markt wächst. Bei volatilen Wetterbedingungen können Direktvermarkter ihre Day-Ahead-Vorhersagen am gleichen Tag korrigieren. Wichtig vor allem für Batteriespeicher (BESS), die Spread-Arbitrage zwischen Day-Ahead und Intraday betreiben.

Wie sich EEX-Mechanik auf Ihre Investition auswirkt

Anlagentyp Hauptmarkt Erlöslogik
Aufdach-PV ≤ 100 kWp Netzeinspeisung mit EEG-Festvergütung EEX-irrelevant
Aufdach-PV > 100 kWp Marktprämienmodell Marktwert Solar als Bezugsgröße
Freiflächenanlage Marktprämienmodell + ggf. PPA Marktwert Solar + PPA-Aufschlag
BESS / Speicher Multi-Use (Spotmarkt + Regelleistung) EEX-Spotmarkt direkt – Spread-Arbitrage
PV+Speicher-Hybrid Optimiert über Speicher Speicher verschiebt PV-Strom in Hochpreisstunden

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Beispiel: Solarpark 5 MWp im Marktprämienmodell

Anlagenparameter:

  • 5 MWp Freifläche, Mitteldeutschland
  • Stromertrag 5.000 MWh/Jahr (1.000 kWh/kWp)
  • Anzulegender Wert (EEG-Ausschreibung): 6,2 ct/kWh
  • Monatsmarktwerte 2026: zwischen 4,1 und 7,8 ct/kWh

Monatliche Erlös-Beispiele:

Monat MMW Spotmarkt-Erlös Marktprämie Gesamt-Erlös
März (sonnig) 5,8 ct 5,8 × 580 MWh = 33.640 € 0,4 × 580 MWh = 2.320 € 35.960 €
Juli (sonnig, niedrige Preise) 4,1 ct 4,1 × 700 MWh = 28.700 € 2,1 × 700 MWh = 14.700 € 43.400 €
November (geringe Erzeugung) 7,8 ct 7,8 × 200 MWh = 15.600 € 0 € (MMW > anzul. Wert) 15.600 €
Jahresertrag (5.000 MWh) ca. 310.000 €

→ Effektiver Durchschnittserlös: mindestens 6,2 ct/kWh (anzulegender Wert; in Monaten mit besonders hohen Spotmarktpreisen kann der Erlös darüber liegen).

Wichtig: Bei niedrigen Monatsmarktwerten greift die Marktprämie besonders stark, und sichert den Anlagenbetreiber bis zum anzulegenden Wert ab. Bei längeren negativen Preisstunden (≥ 4 Stunden) entfällt die Marktprämie für diese Stunden seit der EEG-Reform 2024.

FAQ

Muss ich selbst an der EEX handeln?

Nein. Bei Anlagen über 100 kWp läuft der Stromverkauf immer über einen Direktvermarkter, der für Sie an der EEX handelt. Sie sehen nur das Endergebnis (monatliche Abrechnung).

Wo finde ich aktuelle Strompreise?

Wie kann ich von hohen Strompreisen profitieren?

Drei Wege:

  • PPA mit Festpreis: Strompreis-Untergrenze sichern (siehe PPA)
  • PV+Batteriespeicher: Spotmarkt-Spreads ernten (siehe BESS)
  • Eigenverbrauch maximieren: bei Industriekunden/Mieterstrom besonders wertvoll

Was sind Herkunftsnachweise (HKN)?

HKN sind Zertifikate, die belegen, dass eine bestimmte kWh aus erneuerbarer Energie stammt. Sie werden separat an der EEX gehandelt: typisch 0,1–0,5 ct/kWh zusätzlich zum Strompreis. Für PV-Anlagen, die in der EEG-Vermarktung sind, ist HKN-Verkauf nicht möglich (Doppelförderung-Verbot).

Verändert sich der Strommarkt 2026/27?

Ja: die EU plant 2026/27 Anpassungen am Strommarktdesign (sog. „Electricity Market Reform“). Erwartete Änderungen: Capacity Markets für Backup-Kraftwerke, mehr CFDs (Contract for Difference) für Erneuerbare, neue Regeln für negative Strompreise.

Weiterführend:

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