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Solarstrom verkaufen — EEG, Direktvermarktung, PPA im Vergleich

Solarstrom verkaufen 2026 — EEG, Direktvermarktung, PPA

Rechtsstand: 3. Mai 2026

Wer 2026 in eine PV-Anlage investiert, verdient nur dann Geld, wenn er den Strom verkauft — und zwar klug verkauft. Das EEG-Modell ist nicht mehr alleinige Option: Mit Direktvermarktung, Power-Purchas...

Wer 2026 in eine PV-Anlage investiert, verdient nur dann Geld, wenn er den Strom verkauft — und zwar klug verkauft. Das EEG-Modell ist nicht mehr alleinige Option: Mit Direktvermarktung, Power-Purchase-Agreements (PPA) und Spotmarkt-Trading gibt es heute drei kommerzielle Verkaufswege, die je nach Anlagengröße und Risikoneigung sehr unterschiedlich performen.

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Die drei Verkaufswege auf einen Blick

Modell Erlös 2026 Risiko Vertragsdauer
EEG-Festvergütung (kleine Anlagen, alte Verträge) 5,5–8,2 ct/kWh sehr gering 20 Jahre
EEG-Marktprämienmodell (gesetzliche Direktvermarktung) „anzulegender Wert" — Marktwert gering–mittel 20 Jahre
PPA / Direktvermarktung 6–11 ct/kWh (Festpreis) mittel 5–15 Jahre
Spotmarktverkauf volatil (3–25+ ct/kWh) hoch jahrweise

Modell 1: EEG-Festvergütung (klassisch)

Für Aufdachanlagen ≤ 100 kWp gilt seit 2023 weiterhin die klassische Festvergütung — der Netzbetreiber zahlt einen festen ct/kWh-Wert über 20 Jahre. Aktuelle Werte (Inbetriebnahme 2026):

Anlagentyp Vergütung Volleinspeisung Vergütung Überschusseinspeisung
Aufdach ≤ 10 kWp ca. 12,9 ct/kWh ca. 8,2 ct/kWh
Aufdach 10–40 kWp ca. 10,8 ct/kWh ca. 7,1 ct/kWh
Aufdach 40–100 kWp ca. 10,8 ct/kWh ca. 5,8 ct/kWh

Vorteil: maximale Planbarkeit, kein Vermarktungsaufwand. Nachteil: keine Teilhabe an Strompreis-Hochs, EEG-Werte sinken mit jeder Ausschreibungsrunde.

Modell 2: EEG-Marktprämienmodell (Pflicht ab 100 kWp)

Anlagen > 100 kWp müssen den Strom in das Marktprämienmodell einspeisen — also über einen lizenzierten Direktvermarkter (z. B. Trianel, Quadra Energy, Statkraft, Next Kraftwerke).

Funktionsweise:

  1. Direktvermarkter verkauft den Strom am Spotmarkt
  2. Anlagenbetreiber erhält Spotmarktpreis ./. Vermarktungsentgelt
  3. Bundesnetzagentur zahlt Marktprämie = Differenz zwischen „anzulegendem Wert" und durchschnittlichem Spotmarktpreis
  4. Effektiv erhält der Betreiber mindestens den anzulegenden Wert

Anzulegender Wert für Freiflächenanlagen 2026 (über Ausschreibung): typisch 5,5–6,5 ct/kWh.

Der Vermarkter behält ca. 0,3–0,8 ct/kWh Vermarktungsentgelt.

Modell 3: PPA — der Festpreis-Vertrag

Ein Power Purchase Agreement (PPA) ist ein bilateraler Stromliefervertrag zwischen Anlagenbetreiber und Stromabnehmer (Großverbraucher, Stadtwerk, Industriebetrieb).

Typische PPA-Konditionen 2026:

  • Vertragsdauer: 5–15 Jahre
  • Festpreis: 6–11 ct/kWh (je nach Marktphase und Bonität)
  • Index-Anpassung: oft VPI-gekoppelt
  • Volumenstruktur: Pay-as-Produced (Anlagenbetreiber-Risiko) oder Take-or-Pay (Abnehmer-Risiko)

Vorteile von PPAs:

  • Höherer Erlös als EEG (oft 1–4 ct/kWh Aufschlag)
  • Bankenfreundlich (PPA als Sicherheit für Fremdfinanzierung)
  • Marketing-Wirkung („Grünstrom-Premium")

Nachteile:

  • Längere Vertragsverhandlungen
  • Bonitätsrisiko des Abnehmers
  • Verzicht auf Strompreis-Upside

Modell 4: Spotmarkt — die Hochrisiko-Variante

Wer ohne EEG / PPA-Sicherung einspeist, verkauft direkt am Day-Ahead- oder Intraday-Spotmarkt. Im Hochpreisjahr 2022 waren Durchschnittspreise von 23 ct/kWh möglich. 2024 lagen sie bei rund 7 ct/kWh, 2026 bei rund 9 ct/kWh.

Lohnenswert nur bei:

  • Anlagen mit hohem Anteil an Mittagsspitze (PV-typisch)
  • Kombination mit Batteriespeicher (Verschiebung der Erlöse in Hochpreisphasen) — siehe Batteriespeicher-Investment
  • Erfahrenen Vermarktern mit Trading-Algorithmen

Eigenverbrauch — der unsichtbare „Verkauf"

Der wirtschaftlich attraktivste Stromverkauf ist oft kein Verkauf an Dritte, sondern die Vermeidung des Strombezugs durch Eigenverbrauch.

Rechnung:

  • Stromeinkauf privat: ca. 30 ct/kWh
  • EEG-Vergütung Überschuss: ca. 7 ct/kWh
  • Differenz pro selbst verbrauchter kWh: 23 ct/kWh

Bei einer 20-kWp-Anlage mit 30 % Eigenverbrauch (ca. 6.000 kWh) sind das 1.380 € jährlich — oft mehr als die Einspeisevergütung des restlichen Stroms.

Steuerliche Falle: Bei Regelbesteuerung muss der Eigenverbrauch als „unentgeltliche Wertabgabe" (§ 3 Abs. 1b UStG) versteuert werden — siehe Kleinunternehmerregelung bei PV-Anlagen.

PPA-Marktdynamik 2026

PPAs werden zunehmend zur Standardlösung für Solarparks ab 5 MWp. Treiber:

  • Industrie sucht Grünstromzertifikate (vor allem Schwerindustrie, Rechenzentren)
  • EEG-Ausschreibungspreise sind oft niedriger als PPA-Marktpreise
  • Banken bevorzugen PPA als Finanzierungssicherheit (Cashflow-Vorhersagbarkeit)

Beispiel: Eine 5-MWp-Freiflächenanlage erzielt 2026 in der EEG-Ausschreibung 6,2 ct/kWh — am PPA-Markt sind 8,5 ct/kWh erzielbar (10-Jahres-Vertrag). Differenz: 2,3 ct/kWh × 5.500 MWh/a = 126.500 € Mehrerlös p. a.

Wann welcher Weg sinnvoll ist

Anlagengröße / Profil Empfehlung
EFH-Aufdach ≤ 10 kWp EEG + Eigenverbrauch maximieren
EFH-Aufdach 10–40 kWp EEG + Speicher + Eigenverbrauch
Gewerbe-Aufdach 40–100 kWp EEG (alt) bzw. Marktprämienmodell
Gewerbe-Aufdach > 100 kWp Marktprämienmodell + ggf. PPA-Aufschlag
Solarpark 1–5 MWp Marktprämienmodell oder PPA
Solarpark > 5 MWp PPA + ggf. Spotmarkt-Hedging
Mit Batteriespeicher Multi-Use: Spotmarkt + Regelleistung

FAQ

Wer schließt PPAs ab?

Industrieunternehmen (Hersteller, Logistik), Rechenzentren (Google, Microsoft, AWS), Stadtwerke, große Handels- und Energiehäuser. Mindestabnahmemenge typisch ab 1 GWh/a.

Was passiert mit dem Strom außerhalb der EEG-Periode?

Nach 20 Jahren EEG fallen Anlagen in die „ausgeförderte" Phase. Sie können dann über Anschlussvergütung (gesetzlich, niedrig — ca. 3 ct/kWh + Marktwert) oder freie Direktvermarktung / PPA weiterverkauft werden. Details im Artikel Restwert PV-Anlage.

Wie viel kostet die Direktvermarktung?

Vermarktungsentgelt typisch 0,3–0,8 ct/kWh. Setup-Kosten für Mess- und Steuertechnik einmalig 2.000–5.000 €.

Kann ich ohne EEG-Förderung wirtschaftlich Solarstrom verkaufen?

Ja — bei größeren Anlagen mit guter Standort-Sonnenstrahlung. Die Vollkosten einer Freiflächenanlage liegen 2026 bei ca. 3,5–4,5 ct/kWh Stromgestehungskosten. PPA-Marktpreise von 7+ ct/kWh ermöglichen rentablen Betrieb auch ohne EEG.

Was ist der Unterschied zwischen Marktprämienmodell und PPA?

Marktprämienmodell = gesetzliche Direktvermarktung mit EEG-Mindestvergütung. PPA = freier bilateraler Liefervertrag ohne EEG-Backup. PPAs zahlen oft mehr, sind aber riskanter (Bonität des Abnehmers).


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