
Solarstrom verkaufen 2026 — EEG, Direktvermarktung, PPA
Wer 2026 in eine PV-Anlage investiert, verdient nur dann Geld, wenn er den Strom verkauft — und zwar klug verkauft. Das EEG-Modell ist nicht mehr alleinige Option: Mit Direktvermarktung, Power-Purchas...
Wer 2026 in eine PV-Anlage investiert, verdient nur dann Geld, wenn er den Strom verkauft — und zwar klug verkauft. Das EEG-Modell ist nicht mehr alleinige Option: Mit Direktvermarktung, Power-Purchase-Agreements (PPA) und Spotmarkt-Trading gibt es heute drei kommerzielle Verkaufswege, die je nach Anlagengröße und Risikoneigung sehr unterschiedlich performen.
Die drei Verkaufswege auf einen Blick
| Modell | Erlös 2026 | Risiko | Vertragsdauer |
|---|---|---|---|
| EEG-Festvergütung (kleine Anlagen, alte Verträge) | 5,5–8,2 ct/kWh | sehr gering | 20 Jahre |
| EEG-Marktprämienmodell (gesetzliche Direktvermarktung) | „anzulegender Wert" — Marktwert | gering–mittel | 20 Jahre |
| PPA / Direktvermarktung | 6–11 ct/kWh (Festpreis) | mittel | 5–15 Jahre |
| Spotmarktverkauf | volatil (3–25+ ct/kWh) | hoch | jahrweise |
Modell 1: EEG-Festvergütung (klassisch)
Für Aufdachanlagen ≤ 100 kWp gilt seit 2023 weiterhin die klassische Festvergütung — der Netzbetreiber zahlt einen festen ct/kWh-Wert über 20 Jahre. Aktuelle Werte (Inbetriebnahme 2026):
| Anlagentyp | Vergütung Volleinspeisung | Vergütung Überschusseinspeisung |
|---|---|---|
| Aufdach ≤ 10 kWp | ca. 12,9 ct/kWh | ca. 8,2 ct/kWh |
| Aufdach 10–40 kWp | ca. 10,8 ct/kWh | ca. 7,1 ct/kWh |
| Aufdach 40–100 kWp | ca. 10,8 ct/kWh | ca. 5,8 ct/kWh |
Vorteil: maximale Planbarkeit, kein Vermarktungsaufwand. Nachteil: keine Teilhabe an Strompreis-Hochs, EEG-Werte sinken mit jeder Ausschreibungsrunde.
Modell 2: EEG-Marktprämienmodell (Pflicht ab 100 kWp)
Anlagen > 100 kWp müssen den Strom in das Marktprämienmodell einspeisen — also über einen lizenzierten Direktvermarkter (z. B. Trianel, Quadra Energy, Statkraft, Next Kraftwerke).
Funktionsweise:
- Direktvermarkter verkauft den Strom am Spotmarkt
- Anlagenbetreiber erhält Spotmarktpreis ./. Vermarktungsentgelt
- Bundesnetzagentur zahlt Marktprämie = Differenz zwischen „anzulegendem Wert" und durchschnittlichem Spotmarktpreis
- Effektiv erhält der Betreiber mindestens den anzulegenden Wert
Anzulegender Wert für Freiflächenanlagen 2026 (über Ausschreibung): typisch 5,5–6,5 ct/kWh.
Der Vermarkter behält ca. 0,3–0,8 ct/kWh Vermarktungsentgelt.
Modell 3: PPA — der Festpreis-Vertrag
Ein Power Purchase Agreement (PPA) ist ein bilateraler Stromliefervertrag zwischen Anlagenbetreiber und Stromabnehmer (Großverbraucher, Stadtwerk, Industriebetrieb).
Typische PPA-Konditionen 2026:
- Vertragsdauer: 5–15 Jahre
- Festpreis: 6–11 ct/kWh (je nach Marktphase und Bonität)
- Index-Anpassung: oft VPI-gekoppelt
- Volumenstruktur: Pay-as-Produced (Anlagenbetreiber-Risiko) oder Take-or-Pay (Abnehmer-Risiko)
Vorteile von PPAs:
- Höherer Erlös als EEG (oft 1–4 ct/kWh Aufschlag)
- Bankenfreundlich (PPA als Sicherheit für Fremdfinanzierung)
- Marketing-Wirkung („Grünstrom-Premium")
Nachteile:
- Längere Vertragsverhandlungen
- Bonitätsrisiko des Abnehmers
- Verzicht auf Strompreis-Upside
Modell 4: Spotmarkt — die Hochrisiko-Variante
Wer ohne EEG / PPA-Sicherung einspeist, verkauft direkt am Day-Ahead- oder Intraday-Spotmarkt. Im Hochpreisjahr 2022 waren Durchschnittspreise von 23 ct/kWh möglich. 2024 lagen sie bei rund 7 ct/kWh, 2026 bei rund 9 ct/kWh.
Lohnenswert nur bei:
- Anlagen mit hohem Anteil an Mittagsspitze (PV-typisch)
- Kombination mit Batteriespeicher (Verschiebung der Erlöse in Hochpreisphasen) — siehe Batteriespeicher-Investment
- Erfahrenen Vermarktern mit Trading-Algorithmen
Eigenverbrauch — der unsichtbare „Verkauf"
Der wirtschaftlich attraktivste Stromverkauf ist oft kein Verkauf an Dritte, sondern die Vermeidung des Strombezugs durch Eigenverbrauch.
Rechnung:
- Stromeinkauf privat: ca. 30 ct/kWh
- EEG-Vergütung Überschuss: ca. 7 ct/kWh
- Differenz pro selbst verbrauchter kWh: 23 ct/kWh
Bei einer 20-kWp-Anlage mit 30 % Eigenverbrauch (ca. 6.000 kWh) sind das 1.380 € jährlich — oft mehr als die Einspeisevergütung des restlichen Stroms.
Steuerliche Falle: Bei Regelbesteuerung muss der Eigenverbrauch als „unentgeltliche Wertabgabe" (§ 3 Abs. 1b UStG) versteuert werden — siehe Kleinunternehmerregelung bei PV-Anlagen.
PPA-Marktdynamik 2026
PPAs werden zunehmend zur Standardlösung für Solarparks ab 5 MWp. Treiber:
- Industrie sucht Grünstromzertifikate (vor allem Schwerindustrie, Rechenzentren)
- EEG-Ausschreibungspreise sind oft niedriger als PPA-Marktpreise
- Banken bevorzugen PPA als Finanzierungssicherheit (Cashflow-Vorhersagbarkeit)
Beispiel: Eine 5-MWp-Freiflächenanlage erzielt 2026 in der EEG-Ausschreibung 6,2 ct/kWh — am PPA-Markt sind 8,5 ct/kWh erzielbar (10-Jahres-Vertrag). Differenz: 2,3 ct/kWh × 5.500 MWh/a = 126.500 € Mehrerlös p. a.
Wann welcher Weg sinnvoll ist
| Anlagengröße / Profil | Empfehlung |
|---|---|
| EFH-Aufdach ≤ 10 kWp | EEG + Eigenverbrauch maximieren |
| EFH-Aufdach 10–40 kWp | EEG + Speicher + Eigenverbrauch |
| Gewerbe-Aufdach 40–100 kWp | EEG (alt) bzw. Marktprämienmodell |
| Gewerbe-Aufdach > 100 kWp | Marktprämienmodell + ggf. PPA-Aufschlag |
| Solarpark 1–5 MWp | Marktprämienmodell oder PPA |
| Solarpark > 5 MWp | PPA + ggf. Spotmarkt-Hedging |
| Mit Batteriespeicher | Multi-Use: Spotmarkt + Regelleistung |
FAQ
Wer schließt PPAs ab?
Industrieunternehmen (Hersteller, Logistik), Rechenzentren (Google, Microsoft, AWS), Stadtwerke, große Handels- und Energiehäuser. Mindestabnahmemenge typisch ab 1 GWh/a.
Was passiert mit dem Strom außerhalb der EEG-Periode?
Nach 20 Jahren EEG fallen Anlagen in die „ausgeförderte" Phase. Sie können dann über Anschlussvergütung (gesetzlich, niedrig — ca. 3 ct/kWh + Marktwert) oder freie Direktvermarktung / PPA weiterverkauft werden. Details im Artikel Restwert PV-Anlage.
Wie viel kostet die Direktvermarktung?
Vermarktungsentgelt typisch 0,3–0,8 ct/kWh. Setup-Kosten für Mess- und Steuertechnik einmalig 2.000–5.000 €.
Kann ich ohne EEG-Förderung wirtschaftlich Solarstrom verkaufen?
Ja — bei größeren Anlagen mit guter Standort-Sonnenstrahlung. Die Vollkosten einer Freiflächenanlage liegen 2026 bei ca. 3,5–4,5 ct/kWh Stromgestehungskosten. PPA-Marktpreise von 7+ ct/kWh ermöglichen rentablen Betrieb auch ohne EEG.
Was ist der Unterschied zwischen Marktprämienmodell und PPA?
Marktprämienmodell = gesetzliche Direktvermarktung mit EEG-Mindestvergütung. PPA = freier bilateraler Liefervertrag ohne EEG-Backup. PPAs zahlen oft mehr, sind aber riskanter (Bonität des Abnehmers).
Weiterführend:
- Solarpark Rendite — was an Erlösen realistisch ist
- Batteriespeicher-Investment — Erlös-Diversifikation
- Solarpark bauen — Vermarktungsstrategie im Bauprozess
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